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Digitales Geschichtenerzählen in der Kita: Schritt für Schritt mit dem Tablet

Wie Sie mit der Methode des Digitalen Geschichtenerzählens Tablets sinnvoll in den Kita-Alltag integrieren – ein konkreter Praxistipp für pädagogische Fachkräfte.

Digitale Medien gehören zum Alltag der Kinder – und damit auch in die Kita. Doch wie lassen sich Tablets oder Smartphones sinnvoll, pädagogisch wertvoll und kindgerecht einsetzen? Eine Methode, die sich in der Praxis besonders bewährt hat, ist das Digitale Geschichtenerzählen (Digital Storytelling). Sie verbindet Sprache, Kreativität und Medienkompetenz – und begeistert Kinder wie Fachkräfte gleichermaßen.

Dieser Praxistipp zeigt Ihnen, wie Sie die Methode Schritt für Schritt in Ihrer Einrichtung einführen und nachhaltig im pädagogischen Alltag verankern können.


Was ist Digitales Geschichtenerzählen?

Beim Digitalen Geschichtenerzählen erstellen Kinder gemeinsam mit Fachkräften kurze Geschichten – und halten diese mithilfe von Fotos, Zeichnungen, eigener Sprache und einfachen Apps fest. Das Ergebnis ist ein kleines digitales Buch oder Video, das die Kinder mit Stolz präsentieren können.

Diese Methode ist keine bloße Digitalisierung des Alltags. Sie fördert gezielt:

  • Sprachkompetenz: Kinder formulieren, erzählen und erklären
  • Kreativität: Kinder gestalten Bilder, erfinden Figuren und Handlungen
  • Medienkompetenz: Kinder lernen Medien als Ausdrucksmittel kennen
  • Soziale Fähigkeiten: Zusammenarbeit, Rücksichtnahme, gegenseitiges Zuhören
  • Selbstwirksamkeit: Kinder erleben, dass sie etwas Eigenes erschaffen können

Was Sie brauchen

Für den Einstieg reicht eine einfache Grundausstattung:

  • 1–2 Tablets (z. B. iPad oder vergleichbares Android-Gerät) mit Kamera
  • Eine kostenlose oder günstige App für Foto-/Videobücher (z. B. Book Creator, Stop Motion Studio oder ChatterPix Kids)
  • Stabiler WLAN-Zugang für die App-Nutzung (offline-fähige Apps bevorzugen)
  • Schere, Stifte, Papier – für analoge Ergänzungen
  • Einen ruhigen Bereich in der Gruppe für konzentriertes Arbeiten
Hinweis: Klären Sie vorab mit Ihrer Einrichtungsleitung, welche Apps datenschutzkonform genutzt werden dürfen. Achten Sie auf DSGVO-konforme Lösungen und holen Sie Elterneinverständniserklärungen ein, bevor Fotos von Kindern aufgenommen werden.

Schritt für Schritt: Die Methode im Kita-Alltag

Schritt 1: Einführung und Themenfindung (ca. 20 Minuten)

Beginnen Sie in der Kleingruppe (4–6 Kinder). Zeigen Sie den Kindern zunächst ein einfaches Beispiel eines Digitalbuches – z. B. eine kurze Geschichte über den Kita-Alltag, die Sie vorab selbst erstellt haben. So verstehen die Kinder sofort, worum es geht.

Fragen Sie anschließend gemeinsam: „Worüber möchtet ihr eine Geschichte erzählen?"

Typische Themen in Kitas:

  • Das Lieblingsspielzeug stellt sich vor
  • Unser Kita-Garten im Frühling
  • Was ich am Wochenende erlebt habe
  • Wir basteln einen Dino

Notieren Sie die Ideen und lassen Sie die Kinder abstimmen oder eine gemeinsame Entscheidung treffen.


Schritt 2: Planen und Strukturieren (ca. 15 Minuten)

Bevor das Tablet in die Hand genommen wird, wird geplant. Nutzen Sie ein einfaches Storyboard – das ist eine Art Bilderbuch-Vorlage, auf der die Kinder aufmalen oder aufschreiben, was auf jeder Seite passieren soll.

Fragen zur Unterstützung:

  • Wer ist in unserer Geschichte dabei?
  • Was passiert zuerst?
  • Wie endet die Geschichte?

Das Storyboard muss kein Kunstwerk sein – einfache Striche und Symbole reichen aus. Es hilft den Kindern, strukturiert vorzugehen und fördert gleichzeitig narrative Fähigkeiten.


Schritt 3: Fotografieren und Gestalten (ca. 30–45 Minuten)

Jetzt kommt das Tablet zum Einsatz. Die Kinder fotografieren abwechselnd:

  • Gebasteltes oder gemaltes Material
  • Spielzeugfiguren, die Szenen darstellen
  • Sich selbst oder ihre Hände (mit Einverständnis)
  • Dinge aus der Kita-Umgebung

Ermutigen Sie die Kinder, selbst Fotos zu machen. Sie werden staunen, wie sorgfältig Kinder dabei vorgehen, wenn sie „echte Fotografen" sein dürfen.

Übertragen Sie die Fotos anschließend gemeinsam in die gewählte App und ordnen Sie sie entsprechend dem Storyboard an.


Schritt 4: Texte und Sprache hinzufügen (ca. 20 Minuten)

Hier entfaltet die Methode ihre volle sprachfördernde Wirkung. Die Kinder sprechen selbst auf jede Seite ein:

  • Was sie dort sehen
  • Was die Figur denkt oder fühlt
  • Was als Nächstes passiert

Nutzen Sie die Sprachaufnahme-Funktion der App. Kinder, die noch nicht schreiben können, erleben so echte Autorschaft: Ihre Stimme ist der Text.

Ältere Kinder (ab 4–5 Jahren) können einfache Texte auch eintippen oder mit Unterstützung diktieren.


Schritt 5: Präsentation und Reflexion (ca. 15 Minuten)

Das fertige digitale Buch oder Video wird der Gruppe vorgestellt. Nutzen Sie dafür einen Beamer oder ein großes Tablet/Smart-TV, damit alle Kinder gut sehen können.

Fragen zur Reflexion:

  • Was hat euch beim Machen am besten gefallen?
  • Was war schwierig?
  • Was würdet ihr beim nächsten Mal anders machen?

Die Präsentation vor der Gruppe stärkt das Selbstbewusstsein der Kinder und zeigt: Das Produkt hat einen echten Wert – andere Menschen schauen es an.


Einbindung der Eltern

Schicken Sie das fertige Digitalbuch als PDF oder Video-Link (über eine datenschutzkonforme Plattform wie Stashcat oder Famly) an die Eltern. Das schlägt eine Brücke zwischen Kita und Familie und macht das Lernen sichtbar.

Alternativ: Zeigen Sie die Ergebnisse beim nächsten Elternabend – das stärkt das Vertrauen in Ihre pädagogische Arbeit und zeigt, wie sinnvoll der Umgang mit digitalen Medien sein kann.


Häufige Bedenken – und wie Sie damit umgehen

„Kinder sitzen schon zu viel vor Bildschirmen."
Beim Digitalen Geschichtenerzählen sind Kinder aktiv und kreativ. Das Tablet ist Werkzeug, nicht Unterhaltungsmedium. Die Bildschirmzeit ist begrenzt und pädagogisch begleitet.

„Ich kenne mich mit Technik nicht gut aus."
Starten Sie mit einer App, die Sie selbst ausprobiert haben. Book Creator beispielsweise ist intuitiv und erfordert kein Vorwissen. Holen Sie sich ggf. Unterstützung bei einer medienpädagogischen Fortbildung.

„Was ist mit dem Datenschutz?"
Nutzen Sie nur Apps, die keine Daten an Drittserver übertragen. Speichern Sie fertige Projekte lokal auf dem Gerät. Elterneinverständnis einholen – und keine erkennbaren Kindergesichter ohne Erlaubnis hochladen.


Tipp: Digitales Geschichtenerzählen als Projekt

Wenn Sie die Methode eingeführt haben, können Sie daraus ein wiederkehrendes Projekt machen – z. B. ein digitales Kita-Buch pro Monat zu einem saisonalen Thema. So bauen die Kinder über das Jahr hinweg echte Medienkompetenz auf.

Ideen für wiederkehrende Projekte:

  • „Unser Kita-Jahr" – ein digitales Jahrbuch
  • „Wir erklären …" – Sachgeschichten von Kindern für Kinder
  • „Meine Lieblingsgeschichte" – Nacherzählung von Bilderbüchern

Fazit: Kleine Methode, große Wirkung

Das Digitale Geschichtenerzählen zeigt, wie digitale Medien in der Kita nicht als Ablenkung, sondern als Bildungswerkzeug wirken können. Es braucht kein großes Budget, keine komplizierte Technik – sondern vor allem Zeit, Neugier und die Bereitschaft, mit den Kindern gemeinsam etwas auszuprobieren.

Fangen Sie klein an: eine Gruppe, ein Tablet, eine Geschichte. Der Rest kommt von selbst.


Haben Sie Fragen zur Umsetzung oder möchten Sie Erfahrungen teilen? Schreiben Sie uns – wir freuen uns über Ihre Rückmeldung.